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L’Oréal machts vor

L'Oréal Geschlechtergleichszellung
Frankreichs frauenfreundlichere Gesetzgebung ist in den Unternehmen sichtbar. © L'Oréal

Im Vergleich der Unternehmen aus dem französischen CAC40-Index und dem deutschen DAX30 zeigt sich ein sehr differenziertes Bild in puncto Geschlechtergerechtigkeit. Insgesamt 255 europäische Unternehmen haben die Analysten von Equileap in der von der EU finanzierten Studie „Gender Equality in Europe“ verglichen. Die ersten Ergebnisse für Frankreich und Deutschland wurden nun veröffentlicht. Dabei lag der französische Kosmetikkonzern L’Oréal klar an der Spitze des Rankings. Als bestes deutsches Unternehmen landete SAP auf dem 10. Platz.  

Gender Pay Gap und Frauenanteil im Management

Auffällig war das gute Abschneiden Frankreichs Wirtschaft. Auf den ersten sechs Plätzen sind ausschließlich französische Unternehmen zu finden, darunter Kering, Sanofi und Sodexo. Für Diana van Maasdijk, CEO von Equileap, wird darin vor allem die frauenfreundlichere Gesetzgebung in Frankreich deutlich. Insgesamt 19 Aspekte haben die Analysten bewertet und dabei neben dem Frauenanteil im Management oder dem Gender Pay Gap, Themen wie den Umgang mit Mutterschaftsurlaub betrachtet.

Europäische Unternehmen müssten sich mehr und besser mit Fragen der Vielfalt befassen, bewertet van Maasdijk die Ergebnisse insgesamt als überraschend schlecht mit deutlichem Potenzial für Verbesserungen. Ein erheblicher Teil der Unternehmen hat weniger als 50 Prozent der möglichen Punkte erzielt. Zum Vergleich: L’Oréal erreichte 73 Prozent, Kering auf dem 2. Platz 68 Prozent.

SAP als bestes deutsches Unternehmen

Equilap empfiehlt Unternehmen die Veröffentlichung von acht Richtlinien zur Gleichstellung und Förderung von Frauen. In der aktuellen Untersuchung hätten nur 3 Unternehmen alle empfohlenen Richtlinien veröffentlicht, darunter L’Oréal. SAP als bestes deutsches Unternehmen hat immerhin sieben der acht Richtlinien veröffentlicht.

Quelle: Equileap Studie „Gender Equality in Europe

Auffallend auch, wie wenig Unternehmen sich mit dem Thema sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz beschäftigen. Nur 48 Prozent der 255 insgesamt untersuchten Unternehmen haben dafür interne Verfahrensrichtlinien erarbeitet. Übrigens genau der Punkt, der bei SAP noch fehlte.

In allen Unternehmen bestand ein geschlechtsspezifisches Lohngefälle. Wie man diesen Unterschied beseitigen könnte, darüber hat sich nur ein Unternehmen Gedanken gemacht und einen Fahrplan verabschiedet. Enel (Italien), Iberdrola (Spanien) und Red Eléctrica (Spanien) sind die einzigen untersuchten Unternehmen ohne Lohnunterschiede, d.h. der Unterschied darf maximal drei Prozent betragen.

Pernod Ricard einziges Unternehmen mit ausgewogenem Geschlechterverhältnis

Im europäischen Durchschnitt liegt der Anteil weiblicher Führungskräfte bei rund 16 Prozent, im oberen Management bei 25 Prozent. Aus der Reihe fällt Frankreich mit 44 Prozent weiblichen Vorstandsmitgliedern. Die Unternehmen erfüllen hier die gesetzliche Quote von 40 Prozent. Aber auch insgesamt liegt der Anteil von Frauen in Managementpositionen mit 39 Prozent deutlich über dem europäischen Durchschnitt. Pernod Ricard ist das einzige Unternehmen, das ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis im Führungsteam erreicht hat. Bei L’Oréal, Kering, Danone, Hermes und LVMH sind die nachfolgenden Managementebenen bereits ausgewogen besetzt.


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Deutsche Unternehmen konnten insgesamt nur unterdurchschnittliche Werte erreichen. Beim Thema flexible Arbeitszeiten konnte die Unternehmen allerdings punkten. 29 der 30 DAX-Unternehmen bieten ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten und damit die verbesserte Möglichkeit, Kind und Karriere zu vereinbaren.

In den nächsten Monaten werden die ausführlichen Ergebnisse aus den anderen untersuchten Ländern veröffentlicht.

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