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Klimaschutz im Profifußball

Fussball Klimaschutz
© Bence Balla-Schottner/ Unsplash

Zehn Fragen zum Klimaschutz hat die gemeinnützige Organisation myclimate den 18 Fußballclubs der ersten deutschen Bundesliga gestellt. 15 Vereine haben geantwortet und Einblick in ihr Klimamanagement gewährt. Dabei wird deutlich, in den Vereinen ist das Thema Klimaschutz im Fußball angekommen, allerdings gibt es auch noch viel zu tun.

Alle Klubs der ersten Fußballbundesliga beschäftigen sich in irgendeiner Weise mit dem Klimaschutz und sind sich darüber im Klaren, dass sie auch eine ökologische Verantwortung tragen. Ihnen ist bewusst, so ein Ergebnis der Erhebung, dass Klimaschutz ausnahmslos in allen Geschäftstätigkeiten zu berücksichtigen ist. Wie das konkret aussieht, dokumentieren die Vereine hauptsächlich über ihre Webseite. „Die Bundesligavereine genießen ein enormes öffentliches Interesse. Daher kommt ihnen eine besonders große Verantwortung zu“, so Stefan Baumeister, Geschäftsführer von myclimate Deutschland. „Ihre Strahlkraft können die Klubs dazu nutzen, in vielen Bereichen ein Vorbild für Gesellschaft und Wirtschaft zu sein – so auch im Klimaschutz.“

Die Erhebung hat deshalb gezielt die Themen in den Fokus der Erhebung gestellt, die in der Ökobilanz eines Profifußballvereins am stärksten ins Gewicht fallen. Dazu gehören neben Mobilität, Energie, Catering und Merchandising auch das in den Stadien große Thema Abfall. Baumeister: „Daneben haben wir abgefragt, ob die Klubs regelmäßig eine CO2-Bilanz durchführen.“

Damit Deutschland bis zum Jahr 2050 vollständig klimaneutral wird, sind alle gesellschaftlichen Bereiche gefragt, ihren Beitrag dazu zu leisten, auch die Profifußballklubs. „Dabei ist es entscheidend, dass die Vereine ihr volles Potenzial ausschöpfen. Denn CO2-Emissionen sollten in erster Linie vermieden und reduziert werden.», so Baumeister.

So adressieren Profifußballvereine den Klimaschutz

Das Ergebnis der Bundesliga-Umfrage im Überblick. Die teilnehmenden und nicht-teilnehmenden Vereine sind jeweils in alphabetischer Reihenfolge angeordnet. Die Piktogramme in der obersten Reihe symbolisieren von links: CO2-Management, Mobilität, Energie, Catering, Merchandising, Abfall. In der Kategorie Abfall stellt der BVB mit seiner Antwort eine Ausnahme dar, denn er setzt auf einen Bechermix aus Mehrweg- und Einwegbechern. © myclimate

60 Prozent der befragten Klubs ermitteln nach eigenen Angaben bereits ihren CO2-Fußabdruck. Dieser ist die Basis, um die konkrete CO2-Belastung in den einzelnen Bereichen zu erkennen, um mit geeigneten Maßnahmen an den richtigen Stellen anzusetzen. Denn: Nur was analysiert wird, lässt sich auch steuern und kontrollieren.

Dabei zeigt sich, dass vor allem der Bereich Mobilität einen deutlichen Anteil am Gesamtergebnis für den Klimaschutz im Fußball hat. Allerdings zeigt sich dabei ein zweigeteiltes Bild. Während die Fans an den Spieltagen das Stadionticket für eine kostenlose Anreise mit den öffentlichen Verkehrsmitteln nutzen können, sind die Profis selbst eher zögerlich mit einer Verhaltensänderung. Zwar verzichtete mit einem Anteil von 67 Prozent die Mehrheit der Klubs im vergangenen Jahr auf Trainingslager oder Testspiele außerhalb von Europa.

Der BVB, Borussia Mönchengladbach, Hertha BSC, SV Werder Bremen und Vfl Wolfsburg waren jedoch auch im weiter entfernten Ausland unterwegs. „Ein Trainingslager mit Gastspielen in den USA mag für viele Vereine wirtschaftlich sinnvoll sein, für das Klima stellt es jedoch eine zusätzliche Belastung dar. Deswegen gilt: Je kürzer die Anreise und je emissionsärmer das Fortbewegungsmittel, desto besser“, so Baumeister. Da reicht es nach Auffassung von myclimate auch nicht aus, wenn Borussia Dortmund und Vfl Wolfsburg angeben, ihre Mannschaftsreisen kompensiert zu haben.

Klimaschutz im Stadion

Immerhin hat sich in den Stadien die Nutzung von erneuerbaren Energien zur Deckung des Strombedarfs inzwischen fast durchgesetzt. Zehn Vereine nutzen bereits zu über 90 Prozent zertifiziertem Ökostrom, einige auch vollständig. Die anderen Clubs haben an dieser Stelle noch deutlichen Nachholbedarf, zumal der Wechsel des Stromanbieters auch für Stadionbetreiber mit vergleichsweise geringem Aufwand möglich ist. Sechs Vereine verfügen zudem über ein zertifiziertes Umwelt-/ Energiemanagementsystem. Damit haben sie ein Werkzeug in der Hand, um Umweltauswirkungen und Energieverbräuche systematisch zu erfassen und fortlaufend zu verbessern.

Bio und das leibliche Wohl im Stadion scheint noch nicht so recht zusammenzupassen. Nur der VFL-Wolfsburg konnte die Frage nach Bio-Lebensmitteln mit einem Ja beantworten. „Weil bei Fleischwaren das Bio-Siegel in erster Linie für eine artgerechtere Haltung steht, ist es wichtig, zusätzlich darauf zu achten, dass die Produktbestandteile auch aus der Region stammen“, sagt Baumeister. Deshalb sollte für die Vereine gelten, Bio und regional sollten gleichzeitig erfüllt werden. Den höchsten Effekt auf den Klimaschutz würden jedoch vegane und vegetarische Speisen aus der Region erzielen.

Auch beim Bier sollten Produkte mit regionalem Bezug die erste Wahl sein. Neben den eingesetzten Rohstoffen und dem Produktionsprozess wirkt sich beim Bier vor allem der Transport wesentlich auf die CO2-Bilanz aus. Im Durchschnitt beziehen die Bundesligavereine ihr Bier von einer Brauerei, die rund 90 km entfernt vom Stadion liegt. Der FC Augsburg, Fortuna Düsseldorf und SV Werder Bremen senken diesen Schnitt dabei deutlich und bringen es auf eine Distanz von nur 5 km zu der Brauerei ihrer Wahl. Andere Klubs beziehen ihr Bier hingegen von Brauereien, die weit über 100 km entfernt zur Spielstätte liegen.

Klimaschutz und Merchandising

Fantrikots sind nicht nur ein sichtbares Zeichen für eine Clubzugehörigkeit, sie sind auch ein wesentlicher Wirtschaftsfaktor für die Vereine. Die bestplatzierten Vereine in der Bundesliga verkaufen weit über eine Million Trikots und das zu üppigen Preisen. Da könnten fairer Handel und Klimaschutz doch eine bedeutende Rolle spielen. Tatsächlich beziehen nur drei Vereine ihre Trikots aus europäischer Produktion. Die große Mehrheit der Fußballunternehmen greift auf Textilwaren außerhalb von Europa zurück wie beispielsweise aus Indien. Allerdings geben 73 Prozent der Vereine an, dass ihre Trikots mit einem Umwelt-Label ausgezeichnet sind und dabei auch der Klimaschutz berücksichtigt wird. „Bei Fanware und Merchandising haben deutschen Profifußballklubs einen großen Einfluss, um bei ihren Partnern, Ausrüstern und Zulieferern das Thema Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu platzieren. Was in anderen Bereichen der Wirtschaft schon gang und gäbe ist, könnte der deutsche Profifußball noch auf ein neues Level heben“, so Stefan Baumeister.

Klimaschutz und Abfall

Untrennbar mit Großveranstaltungen wie Fußballbundesligaspielen verbunden sind leider auch große Mengen Abfall. Vor allem Berge von weggeworfenen Bechern waren viele Jahre nicht aus den Stadien wegzudenken. Die Umfrage von myclimate zeigt, dass die Mehrheit der Klubs auf Mehrwegbechersysteme umgestiegen ist, die in der Regel eine bessere CO2-Bilanz als Einwegbecher aufweisen. Zahlreiche Klubs achten darauf, die Mehrwegbecher zum Spülen nicht weit wegfahren zu müssen, um Transportstrecken zu reduzieren. Borussia Mönchengladbach gibt sogar an, die Becher direkt im Stadion zu spülen. Borussia Dortmund setzt als einziger Klub auf einen Bechermix von Mehrweg- und Recycling-PET-Einwegbechern.

Klimaschutz der Bundesligavereine – 3 Beispiele

Der 1. FC Köln hat sich für das Jahr 2021 CO2-Neutralität als Nachhaltigkeitsziel gesetzt. Durch die Nutzung von Ökostrom konnte der Verein seinen CO2-Fußabdruck bereits deutlich reduzieren. Unter anderem soll nun die Fahrzeugflotte auf Elektro- und Hybridautos umgestellt werden. Zudem will sich der Verein als Unterstützer der Allianz für Klima anschließen. Um das Thema Nachhaltigkeit weiter voranzutreiben lässt sich der 1. FC Köln als erster Profiverein nach dem ZNU-Standard nachhaltiger Wirtschaften zertifizieren.

Der VFL Wolfsburg gehört mit seinem Nachhaltigkeitsengagement zweifelslos zu den Vorreitern im Fußballbusiness. Grün aus Überzeugung lautet entsprechend das Selbstverständnis. Der Verein berechnet alle zwei Jahre seinen CO2-Fußabdruck, um Schwachstellen aufzudecken und neu zu justieren. Durch den 100%igen Einsatz von Ökostrom konnten die Emissionen bereits um ein Viertel reduziert werden. Im vergangenen Jahr ist der Verein der Initiative „Sports for Climate Action“ beigetreten und verpflichtet sich damit, dem Klimaschutz innerhalb des Vereins eine hohe Priorität einzuräumen.

Sehr umfangreich widmet sich auch Borussia Dortmund dem Thema Nachhaltigkeit und hat inzwischen seinen dritten Nachhaltigkeitsbericht nach GRI-Standards veröffentlicht. Der Klimaschutz ist darin als eines von 16 wesentlichen Themen adressiert. Der Verein setzt zum Betrieb des Stadions auf 100 % Ökostrom und hat das Stadiondach zusätzlich mit 8.768 Solarzellen ausgestattet.

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