Gesellschaft Magazin

Das unterschätzte Umweltproblem

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Die Informations- und Kommunikationstechnologie wird in fünf Jahren zwischen 4,5 und 6,7 Prozent des weltweit produzierten Stroms benötigen. © Bethany Drouin /Pixabay

Der Stromverbrauch nimmt weiter zu, das kann auch bessere Effizienz bislang nicht stoppen. Der Grund liegt auf der Hand. Die zunehmende Digitalisierung sorgt im Großen wie auch im täglichen Leben für immer neue Stromverbraucher.

Beispiel Fahrrad: Noch vor wenigen Jahren war ein Fahrrad ein Fortbewegungsmittel für dessen Nutzung kein Strom benötigt wurde. Heute sind immer mehr Fahrräder mit elektrischem Antrieb unterwegs, werden Licht und zunehmend auch Schaltung elektrisch betrieben. Zudem nutzen immer mehr Radfahrer zusätzliche Geräte wie Fahrradcomputer, Navigationsgeräte und Schlösser, die über eine App gesteuert werden. Ein Fahrrad wird immer mehr zum Stromfresser. Aber auch im Haushalt und bei der Freizeitgestaltung kommen immer öfter elektrische Helfer zum Einsatz.

Klimaprognosen zu optimistisch

Auf der anderen Seite hat uns die Politik eine elektrische Mobilitätswende verordnet, werden Produktionsprozesse zunehmend digitalisiert und benötigen neue Zahlungsmittel wie Bitcoin enorme Rechenkapazitäten.  Zusammenfassend lässt sich sagen, durch die zunehmende Digitalisierung wird der Stromverbrauch in Deutschland stärker als erwartet steigen.

Weil viele Klimaprognosen dies nicht ausreichend berücksichtigen, fallen sie zu positiv aus, warnt Analyst Fabian Hoch vom LBBW-Research in einer aktuellen Studie. „Der Stromverbrauch der Digitalisierung wird gern unterschätzt. Viele Prognosen blenden den steigenden Verbrauch durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz einfach aus, weil er schlecht vorherzusagen ist“, so Hoch. Studien seien aber wenig hilfreich, wenn sie die Bedeutung von Digitalisierung oder künstlicher Intelligenz (KI) missachten.

Technologien wie KI und Blockchain bieten die Chance, CO2-Emissionen zu senken

Allerdings bieten digitale Technologien wie KI und Blockchain gleichzeitig auch die Chance, CO2-Emissionen zu senken. „Und zwar in einem Ausmaß, dass sie im Idealfall netto eine Einsparung erzeugen können“, meint Fabian Hoch. Experten sehen beispielsweise bei KI-Anwendungen in den Bereichen Energieversorgung und Verkehr die höchsten Einsparpotenziale.

Digitale Anwendungen können analoge Techniken beispielsweise schadstoffärmer, ressourcenschonender oder gar überflüssig machen. Erst einmal aber werden die Stromrechnungen kräftig steigen. So geht der 2019 vorgestellte Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index davon aus, dass der weltweite Stromverbrauch der Kryptowährung inzwischen gut einem Sechstel des gesamten in Deutschland genutzten Stroms entspricht.


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„Würde Bitcoin zu einem gängig verwendeten Zahlungsmittel werden, würde allein der Stromverbrauch dieser Technologie in ihrer jetzigen Form ausreichen, um das Zwei-Grad-Ziel zu verfehlen“, warnt Hoch deshalb. Kaum besser sieht es bei einem weiteren zukunftsträchtigen Projekt aus. Damit Autos mithilfe von KI autonom fahren können, verlangen die Bordelektronik und ihre Sensoren weit mehr Strom als 100 Desktop- Computer.

„Würde Bitcoin zu einem gängig verwendeten Zahlungsmittel werden, würde allein der Stromverbrauch dieser Technologie in ihrer jetzigen Form ausreichen, um das Zwei-Grad-Ziel zu verfehlen“

Fabian Hoch, LBBW-Research

Aber nicht erst der Betrieb eines autonom fahrenden Autos benötigt Strom und treibt damit den Schadstoffausstoß. „Bereits ein KIModell zu entwickeln, produziert gemaß Studien so viel CO2 wie fünf Autos in ihrem gesamten Fahrzeugleben“, sagt Hoch.

Mit eigenen Berechnungen „übersetzte“ Fabian Hoch den Stromverbrauch der Digitalisierung in CO2-Emissionen, um ein Bild der Klimaauswirkungen der Digitalisierung zu erhalten. Die Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) wird in fünf Jahren zwischen 4,5 und 6,7 Prozent des weltweit produzierten Stroms benötigen, lautet sein Ergebnis. Hoch prognostiziert für 2025 einen energiebedingten CO2-Ausstoß von rund 1000 Megatonnen durch die IKT. Das würde einem Anteil von drei Prozent am Gesamtausstoß entsprechen.

Gegenüber 2015 wäre dies ein Anstieg um knapp 50 Prozent. Zugleich ist in den vergangenen zehn Jahren der Stromverbrauch durch das geänderte Konsum- und Freizeitverhalten stark gestiegen. Der Analyst verweist auf Streamingdienste, Apps wie Instagram oder auf Computerspiele: „Deshalb müssen wir nicht nur über Flugscham reden, sondern zunehmend auch über das Umweltproblem der Digitalisierung.“

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