CSR-Preis für nachhaltige Unternehmensführung

Mit dem CSR-Preis der Bundesregierung sollen diejenigen Unternehmen ausgezeichnet werden, die mehr tun, als gesetzlich vorgeschrieben ist. Fünf Unternehmen konnten die Jury mit ihrem Ansatz überzeugen.

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Mit dem CSR-Preis der Bundesregierung sollen diejenigen Unternehmen ausgezeichnet werden, die mehr tun, als gesetzlich vorgeschrieben ist. Fünf Unternehmen konnten die Jury mit ihrem Ansatz überzeugen. Neben den Preisen in den drei Größenkategorien wurden zwei Sonderpreise vergeben.

Er lebt noch. Ein Jahr nach Ausschreibungsbeginn wurden nun fünf Unternehmen mit dem CSR-Preis der Bundesregierung 2020 ausgezeichnet. Zum vierten Mal nach 2013, 2014 und 2017 sollen damit Vorreiter einer nachhaltigen Unternehmensführung gewürdigt werden. Grundsätzlich wird der CSR Preis in drei Größenkategorien vergeben, ergänzt jeweils um einen oder mehrere Sonderpreise. In diesem Jahr wurden dafür das besonders aktuelle Thema verantwortungsvolles Lieferkettenmanagement ausgewählt und das zunehmend wichtiger werdende Thema der Digitalisierung im Kontext der Unternehmensverantwortung.

Insgesamt nur 168 Bewerbung sind beim ausrichtenden Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) trotz Verlängerung der Bewerbungsfrist eingegangen. Dabei können sich auch kleinere und mittlere Unternehmen um die Auszeichnung bewerben, davon gibt es immerhin mehr als 3 Millionen in Deutschland. Dennoch konnte die Jury, die sich aus Mitgliedern des Nationalen CSR-Forums zusammensetzt, am Ende würdige Preisträger finden.

Managementansätze und Implementierung von CSR

Damit ein Unternehmen den CSR-Preis erhalten kann, reicht es nicht einzelne grüne Projekte umzusetzen. Vielmehr müssen Unternehmen in den Aktionsfeldern Unternehmensführung, Markt, Arbeitsplatz, Umwelt und Gemeinwesen insgesamt verantwortlich handeln. Im Fokus stehen dabei die Beschreibung von Managementansätzen sowie das Implementieren und die Wirkung von CSR-Maßnahmen und -Programmen.

Die Initiatoren legen Wert auf ein wissenschaftlich fundiertes Auswahlverfahren in drei Stufen und den lernenden Charakter des Wettbewerbs. So mussten alle zugelassenen Bewerbungen im Rahmen einer Management-Befragung Einblick in die fünf Aktionsfelder gewähren, die mit Punkten bewertet wurden. Die jeweils fünf bestplatzierten Unternehmen jeder Kategorie haben sich für die zweite Stufe qualifiziert. Dabei wurden externe Stakeholder in Telefoninterviews befragt. Die Ergebnisse sollen die Selbsteinschätzung der ersten Phase mit einer Außenperspektive abgleichen. Wer dann am Ende in jeder Kategorie gewinnt, entscheidet die Jury.

Die Preisträger des CSR-Preises der Bundesregierung 2020

Neumarkter Lammsbräu Gebr. Ehrnsperger KG

In der Kategorie Unternehmen mit bis zu 249 Beschäftigten konnte der Getränkehersteller Neumarkter Lammsbräu die Jury überzeugen. Der Familienbetrieb aus der Oberpfalz ist kein Unbekannter unter den grünen Unternehmen und wurde von der Jury für seine sozial-ökologische Vorreiterreiterrolle gewürdigt. Schon der erste Aufruf der Website bringt das Nachhaltigkeitskonzept des Unternehmens auf den Punkt. 100 % Bio, 0 % Kompromiss steht dort in großen Lettern geschrieben und es ist auch genauso gemeint. Die Neumarkter Lammsbräu versteht sich selbst als Teil des Ganzen und ist alleine damit schon vielen Unternehmen voraus. Das bedeutet unter anderem eine starke Fokussierung auf die Region, auf regionale Rohstoffe, auf die Zulieferer aus der Nachbarschaft und auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit.

Die betrieblichen Leitlinien, in denen der Nachhaltigkeitsgedanke eine tragende Rolle spielt, hat das Unternehmen nicht im aufkeimenden Nachhaltigkeitsbewusstsein der vergangenen Jahre formuliert, sondern schon 1977. Dort heißt es auch, die Kür ist unsere Pflicht. Genau diesem Gedanken fühlt sich auch der CSR-Preis verbunden und hat die Neumarkter Lammsbräu ausgezeichnet, weil sie über die ganze Breite ihrer Geschäftstätigkeit Aspekte der Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung verinnerlicht hat. Die Jury betonte zudem die Bio-Zertifizierung des gesamten Produktsortiments, die vom Unternehmen ökologisches Reinheitsgebot genannt wird. Zudem ist das gesamte Getränkesortiment ausschließlich in Glas-Mehrweg-Flaschen erhältlich.

Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte I Wohnstadt

Auch in der Kategorie Unternehmen mit 250 bis 999 Beschäftigten ist der Preisträger, die Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte I Wohnstadt, kein Unbekannter. Das in Frankfurt ansässige Unternehmen beschäftigt sich mit einem der drängendsten Probleme in deutschen Städten, dem bezahlbaren Wohnraum. Rund 59.000 Wohnungen in 128 Städten sind im Bestand, das reicht für einen Platz unter den zehn größten Wohnungsunternehmen in Deutschland. Dabei hat das Unternehmen nicht nur bezahlbaren Wohnraum im Blick, sondern ebenso Klimaschutz und der nachhaltige Einsatz der Ressourcen für lebenswerte und zukunftstaugliche Städte. Die Jury des CSR-Preises würdigte, dass die Unternehmensgruppe wesentliche Nachhaltigkeitsaspekte mit konkreten Zielen unterlegt und in einem Nachhaltigkeitsbericht regelmäßig über umgesetzte Maßnahmen und deren Wirkung berichtet. So will das Unternehmen bis zum Jahr 2050 einen vollständig klimaneutralen Gebäudebestand erreichen. Unter anderem deshalb werden neue Bauvorhaben an anerkannten Nachhaltigkeitsstandards ausgerichtet.

BASF SE

Der dritte Preisträger aus der Kategorie Unternehmen mit 1000 und mehr Beschäftigten hat in der Vergangenheit ebenfalls schon divers Auszeichnungen für CSR und Nachhaltigkeit einstreichen können. Der Chemiekonzern BASF hat die Jury diesmal vor allem durch sein langjähriges CSR-Engagement und eine ganzheitliche CSR-Strategie überzeugt. Die wirkt in alle Unternehmensbereiche hinein und ist an internationalen Standards ausgerichtet. Insbesondere bei der integrierten Berichterstattung und der Darstellung der CO2-Emissionen würde das Unternehmen eine Vorreiterrolle übernehmen und durch Transparenz die Umsetzung von Nachhaltigkeit auch bei anderen Unternehmen der Branche fördern, heißt es in der Begründung.

Mit rund 60 Milliarden Euro Umsatz ist BASF der größte Chemiekonzern der Welt. Das zieht nicht nur Verantwortung nach sich, sondern hat auch einen hohen Einfluss auf gesellschaftliche und wirtschaftliche Veränderungsprozesse. Mit dem eigens entwickelten „Value-to-Society“-Ansatz will BASF diese Auswirkungen messen und sichtbar machen. Die Ergebnisse fließen mit in Entscheidungsprozesse ein und sollen helfen, die negativen Folgen der Geschäftstätigkeit zu reduzieren.

GEPA – The Fair Trade Company

Als Pionier fairer Handelsbeziehungen hat das Wuppertaler Unternehmen GEPA – The Fair Trade Company seit inzwischen vierzig Jahren den Fairen Handel in Deutschland entscheidend mitgeprägt. Diese Leistung würdigte die Jury des CSR-Preise mit dem Sonderpreis für verantwortungsvolles Lieferkettenmanagement. Vor allem vom individuellen und lösungsorientierten Umgang mit Problemlagen bei Lieferanten war die Jury beeindruckt. Bei über 90 Prozent der Zulieferer werden unabhängige Audits umgesetzt. Die Beschäftigten der Lieferanten können zudem über ein Beschwerdesystem direkt bei GEPA Missstände im eigenen Betrieb anzeigen. GEPA setzt mit der Definition von sozialen und ökologischen Standards für die Vertragsproduzenten von Lebensmitteln, handwerklichen Erzeugnissen und Textilien Maßstäbe und zeigt das nachhaltige Lieferketten auch unter schwierigen politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen möglich ist. Deshalb verzichtet GEPA seit 2011 auch auf das Fairtrade-Siegel und hat stattdessen das eigene Logo um ein Pluszeichen erweitert. Es symbolisiert den Anspruch immer noch etwas mehr zu leisten.

HEAG Holding AG

Das Darmstädter Unternehmen HEAG Holding AG wurde mit dem Sonderpreis CSR und Digitalisierung ausgezeichnet. In der HEAG mit ihren mehr als 3.000 Mitarbeitern sind die wirtschaftlichen Aktivitäten Darmstadts in den Geschäftsfeldern Energie, Wasser, Immobilien und Mobilität gebündelt. Sie sind Teil der strategischen HEAG Holding AG. Seit 2015 beschäftigt sich das Unternehmen intensiv mit den Chancen und Risiken der Digitalisierung, insbesondere auch im Hinblick auf die Nachhaltigkeitsausrichtung der Stadt. Dieser ganzheitliche Ansatz einer digitalen Stadt hat die Jury überzeugt. Im Dialog mit relevanten Stakeholdern und im Einklang mit Nachhaltigkeitsanforderungen hat die HEAG bislang mehr als 30 Digitalisierungsprojekte realisiert. Die HEAG zeigt mit diesem Ansatz eindrucksvoll, wie herkömmliche Geschäftsmodelle durch Digitalisierung nachhaltiger gestaltet werden können und übernimmt Verantwortung für die gesamte Region, heißt es in der Begründung der Jury.



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